© Julia Vielle

 

Eindrücke aus einem Workcamp in Togo

Bericht von Julia Vielle

Die Hinreise ist schnell vorüber: Nach sechs Stunden Direktflug ab Paris erreiche ich Togo und befinde mich zum ersten Mal südlich der Saharawüste in Afrika. Einerseits kann ich es kaum erwarten den Ort zu sehen, wo ich meinen Freiwilligeneinsatz absolvieren werden, andererseits plagt mich aber die Nervosität und damit verbundene Fragen: Mit wem werde ich die kommenden drei Wochen verbringen? Wo werden wir schlafen? Was werden wir essen? Was, wenn ich ernsthaft krank werde?


Drei Tage nach meiner Ankunft fängt mein Einsatz an. Das Team trifft sich zum ersten Mal beim Sitz der ASTOVOT in Kaplimé, wo wir uns miteinander bekannt machen. Der Minibus wird geladen, wir quetschen uns noch dazu und fahren nach Agomé-Tomegbé, das Dorf, wo wir unser Domizil für drei Wochen beziehen werden, um dann vor Ort eine Schule zu renovieren.
Nach zwei Tagen, in denen wir uns ausruhen und das Dorf und seine Umgebung kennen lernen, machen wir uns an die Arbeit: Im örtlichen Sekundarschulhaus kratzen wir innen wie aussen die Wände ab, um sie nachher neu zu streichen. Schnell entwickelt sich ein starker Zusammenhalt innerhalb der Gruppe, die aus acht Togolesen und acht Europäern besteht. Gemeinsam erstellen wir einen Plan für die Arbeitszeiten und teilen die alltäglich allfallenden Arbeiten (Kochen, Abwaschen, Wasser, Putzen) untereinander auf. Wir sind ein super Team!

Die Arbeit ist toll und lässt viel Raum fürs gemeinsame Träumen von einer besseren Welt. Glück pur! Nach und nach gewöhnen wir uns an die durch die Umstände gegebenen Notwendigkeiten: Wasser holen beim einzigen Brunnen im Dorf fürs Kochen und Duschen, Kochen mit Holzkohle, die Kleider im Fluss waschen… Die einfache Art zu leben hinterlässt auf uns einen tiefen Eindruck, gibt uns aber auch zu denken: Die grosse Mehrheit der Togolesen verfügt nicht über fliessendes Wasser, und Elektriziät ist ein Luxus. Die Strassen sind in sehr schlechtem Zustand. Die Arbeitssuche nach dem Studium gestaltet sich schwierig.

Was sich mir am tiefsten eingeprägt hat, ist sicher die Freundlichkeit der Togolesen und die Gastfreundschaft, mit der uns die Freiwilligen vor Ort empfangen haben. Ich habe mich sehr gefreut über die Offenheit aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workcamps und über den vielfältigen Austausch, den wir unter uns hatten. Ebenso genoss ich die Abende nach dem Nachtessen, die begleitet wurden vom Zirpen der Grillen und Quaken der Frösche aus dem benachbarten Moor.
Drei Wochen sind schnell vorüber, wenn das Arbeiten, der Austausch, das Entdecken mit so viel Freude verbunden ist. Schon befinde ich mich wieder im Busch-Taxi in Richtung Lomé und kann den Reichtum, den ich hier erlebt habe, gar noch nicht richtig begreifen; mein Kopf ist voller Bilder und Worte, und ich weiss, dass ich diesen Aufenthalt nie vergessen werde.