Zwei Monate als freiwilliger Lehrer in Uganda – meine Learnings und Eindrücke

Valentin war als Langzeit-Freiwilliger mit dem SCI Schweiz in Uganda. Hier berichtet von seinem Einsatz, bei dem er nach seinem Fachabitur und vor dem Besuch der Rekrutierungsschule als Lehrer an der Alliance High School in Nansana tätig war. Er schildert seine ersten Eindrücke, die Herausforderungen im Unterricht und seine Erfahrungen mit der lokalen Bevölkerung. Und er gibt Einblicke in seine Reisen durch Uganda und erzählt, was er über kulturelle Vielfalt gelernt hat.

Valentin als Freiwilliger in Uganda

Nach abgeschlossener Berufsmaturität blickte ich auf eine ungeplante Zukunft. Mit der Idee eines Freiwilligeneinsatzes suchte ich im Internet, fand den SCI und landete vier Monate später mit dem Flugzeug in Entebbe, Uganda. Mich erwartete eine mir unbekannte Welt. Zwar wusste ich durch die Vorbereitung seitens SCI und Recherchen etwas über das Land und meinen Einsatz, Europa hatte ich jedoch noch nie vorher verlassen. Entsprechend hatte ich nicht viele Erwartungen, liess die Sache auf mich zukommen, war voller Vorfreude und ein wenig aufgeregt.

Die Fahrt vom Flughafen zu meinem neuen Zuhause in Nansana werde ich wohl mein Leben lang nicht vergessen. Erstmals waren die Strassen der Hauptstadt um sechs Uhr morgens schon sehr belebt. Ebenfalls passte sich die Fahrtrichtung dynamisch an: Weil am Morgen mehr Leute nach Kampala zur Arbeit gehen als umgekehrt, wird die Mittellinie überfahren und drei der vier Fahrspuren für diese Richtung verwendet. Lichtsignalen wird oft keine Beachtung geschenkt, und beim Abbiegen braucht es eine gesunde Menge Vertrauen und Mut.

Nach einigen Einführungstagen der lokalen Organisation «Uganda Pioneers Association» (UPA) besuchte ich zum ersten Mal mein Projekt. An der Alliance Highschool würde ich während der nächsten zwei Monaten als Lehrer arbeiten. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Verantwortlichen stand mein Stundenplan fest: In den Fächern Mathematik und Physik übernahm ich vier Klassen der Stufen Senior 1 und Senior 2, was einem Alter von 13 und 14 entspricht. Nach einer halben Woche Zuschauen war ich fest im Stundenplan integriert und stand alleine vor Klassen mit einer Grösse von 60 bis 80 angehenden Jugendlichen. Es war ein steiler Einstieg, ich war beeindruckt von der mir übergebenen Verantwortung, wollte diese wahrnehmen und hatte viele Fragen. Warum schenken sie zum Beispiel einem 19-jährigen Lehrabgänger, der noch nie als Lehrer tätig war und den sie noch nie haben arbeiten sehen, so viel Vertrauen?

Valentin als Freiwilliger in Uganda
Valentin als Freiwilliger in Uganda
Valentin als Freiwilliger Lehrer in Uganda

Auch ausserhalb der Schule wollte ich möglichst viel über Land und Leute erfahren. Noch in der ersten Woche hatte ich mein erstes Training mit dem Handballteam der Makerere University organisiert, für welches ich an den folgenden Wochenenden auch Spiele in der National Super League bestritt. Nach beendetem Schuljahr reiste ich in den Norden, wo mir andere Freiwillige der Organisation «EMOTER» ihr Projekt und das Leben in Nebbi zeigten.

Nebst den vielen Erinnerungen bin ich auch mit einem komischen Gefühl nach Hause gereist. Ich verliess Uganda nach drei Monaten, während viele Menschen, die ich kennengelernt habe, gerne einmal nach Europa reisen würden. Für sie ist es jedoch alles andere als einfach, ein Visum zu bekommen. Eine 19-jährige Person aus Uganda hätte sicher nicht das Privileg, zwei Monate in einer Schweizer Schule arbeiten zu dürfen. Ein Franken entspricht ungefähr 4000 ugandischen Shilling, was mich in Uganda gewissermassen zum Millionär machte. Es steht sinnbildlich für den veränderten sozialen Status, welchen ich während meines Einsatzes erlebt habe.

Der Bericht ist natürlich bei weitem nicht komplett – wer selbst schon ähnliches erlebt hat, kann sich vorstellen, wie viel zwischen den Zeilen passiert ist. Für mich war es eine unglaubliche Erfahrung!

Interessierst du dich auch für einen längerfristigen Freiwilligeneinsatz? Dann melde dich bei uns. Valentins Einsatz wurde teilweise durch unser Stipendienprogramm für junge Menschen in oder nach der Berufsausbildung finanziert. Der SCI Schweiz kann damit Stipendien für Lernende und Lehrabgänger*innen vergeben. Dank diesem werden für junge Lehrabgänger*innen und Lernende die Programmkosten sowie die Reisekosten übernommen.

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